Mädchen- und Jungenbildung

„Sowohl Mädchen als auch Jungen haben ein Anrecht auf einen Schulunterricht und eine Erziehung, die ihren Neigungen und Bedürfnissen entgegenkommt.“ (Guggenbühl)

Parallele Monoedukation an der Realschule St. Michael

 

Mit dem Schuljahr 2015/16 wurden an der Realschule St. Michael das erste Mal auch Jungen aufgenommen. An der Tradition der Mädchenbildung ansetzend und diese fortführend, haben wir als Konzept die parallele Monoedukation eingeführt. Das bedeutet, dass Mädchen und Jungen in getrennten Lerngruppen unterrichtet werden.

Mädchen und Jungen entwickeln sich gerade in der Zeit der Pubertät sehr unterschiedlich: Sie lernen unterschiedlich schnell, haben andere Bedürfnisse und verschiedene Herangehensweisen an Aufgabenstellungen. Dadurch, dass wir Mädchen und Jungen getrennt unterrichten, tragen wir diesen entwicklungspsychologischen Gegebenheiten Rechnung, denn:

  • In getrennten Klassen entsteht kein Inszenierungsdruck vor dem anderen Geschlecht.

  • Jungen und Mädchen können alle Bereiche, auch die eher männlich oder weiblich besetzten, ausprobieren.

  • Wir setzen bewusst inhaltliche und methodische Schwerpunkte, um den besonderen Zugangsweisen und Interessen von Mädchen und Jungen gerecht zu werden.

  • Wir gehen gezielt auf die Besonderheiten der Zielgruppe ein und unterstützen die individuell unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten und Stärken.

  • Wir knüpfen an der Tradition und an den guten Erfahrungen als Mädchenschule an.

 

Die Realschule St. Michael unterstützt ihre Schülerinnen und Schüler darin, ihre spezifischen Fähigkeiten zu entfalten, ihre sozialen Kompetenzen zu stärken und ihre Persönlichkeit als Frau bzw. Mann zu finden und zu bejahen. Wir begleiten sie dabei, ihre Verantwortung in Kirche, Staat und Gesellschaft zu erkennen und machen ihnen Mut, ihren Fähigkeiten entsprechend auch führend an der Mitgestaltung einer friedliebenden und sozial verantwortlichen Gesellschaft mitzuwirken. Dabei möchten wir herkömmliche Zuschreibungen und Stereotypisierungen überwinden, indem wir uns gezielt auf die Geschlechtsunterschiede beziehen, um diese Unterschiede als Ansatzpunkte für Veränderungen zu nutzen und so Räume für etwas Neues schaffen.

Möglichkeiten und Chancen der Monoedukation – Mädchen

Anknüpfend an die langjährige Tradition der Realschule St. Michael als Mädchenschule können wir auf vielfältige Erfahrungen und bewährte Konzepte der Erziehung und Bildung von Mädchen zurückgreifen und diese weiter schärfen.

 

  • Wir stärken durch geschlechtshomogenen Unterricht die Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsfindung.

  • Die Schülerinnen haben eine bessere Möglichkeit der aktiven Beteiligung und bauen damit verbunden ein gesundes Selbstbewusstsein auf.

  • Das Selbstbewusstsein der Schülerinnen wird auch durch sehr gutes Abschneiden bei landesweiten Vergleichsarbeiten (zentrale Prüfungen und Lernstandserhebungen) gefestigt.

  • Wir unterrichten handlungsorientiert und entdeckend, kooperative Unterrichtsmethoden und das soziale Miteinander sind auf die Mädchen abgestimmt.

  • Die Schülerinnen können sich ohne geschlechtsspezifische Vorurteile dem Fach Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern nähern. Auch der Aufbau von Medienkompetenz erfolgt angelehnt an den Interessen und Neigungen der Mädchen.

  • Die Schülerinnen können im Sprachunterricht und in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern ihre höhere Lese- und Sprachkompetenz nutzen und erweitern.

  • Die Schülerinnen haben unter sich Gelegenheit, Gestaltungsideen in Musik, Kunst und Textilgestalten freier und experimenteller umzusetzen.

  • Gesundheitserziehung und Ernährungslehre sind im Fach Hauswirtschaft auf die Mädchen abgestimmt.

  • Im Sportunterricht können teamstärkende und eher mädchentypische Sportarten trainiert und jungentypische Sportarten uneingeschränkt ausprobiert und geübt werden. Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Mädchen sind im Sportunterricht integriert.

 

 

Möglichkeiten und Chancen der Monoedukation – Jungen

Wir möchten unsere positiven Erfahrungen der Mädchenbildung auf die spezifischen Neigungen und Bedürfnisse der Jungen übertragen und ihnen mit unserem Angebot Raum und Zeit für eine gelingende Entwicklung geben.

 

  • Wir stärken durch geschlechtshomogenen Unterricht die Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsfindung, indem wir Jungen Freiräume und „einfach mehr Zeit“ für ihre Interessen und Neigungen einräumen.

  • Wir unterrichten handlungsorientiert und entdeckend, kooperative Unterrichtsmethoden und das Erlernen sozialer Kompetenzen sind auf die Jungengruppen abgestimmt. Wettbewerbsorientierte Elemente werden im Unterricht berücksichtigt.

  • Die Schüler erhalten eine gute Förderung in ihrer Lese- und Sprachkompetenz. Eine auf Jungen zugeschnittene Herangehensweise und Schwerpunktsetzung ist Grundlage für erfolgreichen Unterricht in den Sprachen und in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern.

  • In den Naturwissenschaften, in Mathematik und im Umgang mit digitalen Medien können wir den besonders ausgeprägten Interessen der Jungen Rechnung tragen.

  • Die Jungen setzen in den musisch-künstlerisch-praktischen Fächern ihre Gestaltungsideen kreativ um und werden auch an eher jungenuntypische Bereiche, wie textiles Gestalten oder Themen der Hauswirtschaft herangeführt, wobei ihre spezifischen Interessen Berücksichtigung finden.

  • Im Sportunterricht können eher jungentypische Sportarten, Teamfähigkeit und Toleranz trainiert werden. Das Heranführen an und das Ausprobieren von eher mädchentypischen Sportarten ist im geschützten Raum möglich.

  • Wir setzen in Jungenklassen verstärkt männliche Lehrpersonen ein, um damit Hilfen der Identitätsfindung zu geben.

 

 

Grenzen der parallelen Monoedukation

In einigen Fächern und Kursen ist eine Trennung des Unterrichts von Mädchen und Jungen nicht möglich, da die Lerngruppen keine Mindestgröße erreichen:

  • Evangelische Religionslehre

  • Wahlpflichtfächer ab Klasse 7

  • Aufbau- und Pluskurse im Rahmen der individuellen Förderung

 

Neuerungen im Zuge der parallelen Monoedukation

Mit dem Bau der Grundschule St. Michael ist die Einrichtung eines Technikraums zugesagt. Es ist geplant, dieses Fach möglichst im 9. und 10. Jahrgang für Mädchen und Jungen im getrennten Unterricht anzubieten.

 

Die Schulgemeinschaft St. Michael

Wir haben schon als „zwei Schulen unter einem Dach“ mit dem Gymnasium vielfältige Erfahrungen gesammelt, die Schulgemeinschaft St. Michael gemeinsam zu gestalten und zu leben, auch wenn getrennt unterrichtet wird. Wir werden diese Erfahrungen nutzen, um eine Schulgemeinschaft zu gestalten, die von Mädchen und Jungen gemeinsam und gewinnbringend für alle geprägt wird. Es ergeben sich zahlreiche Berührungspunkte im Schulleben:

  • gemeinsame Gottesdienste und Feiern

  • gemeinsame Betreuungsangebote am Nachmittag

  • gemeinsame SV-Arbeit und Arbeitsgemeinschaften

  • gemeinsame Pausen und Nutzung des Schulgeländes

  • gemeinsame Fahrten und Ausflüge

Sicher werden uns durch die Aufnahme von Jungen auch in diesen Bereichen neue Impulse gegeben, Angebote zu überdenken und zu erweitern.